STADIONALLEE-SPERRE

13.04.2010

Sehr geehrte Frau Minister Dr. Fekter!

In letzter Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Polizei nur darauf bedacht ist Amtshandlungen zu vermeiden, auch wenn das auf Kosten unbescholtener Bürger geht.

So wird nahezu bei jeder Veranstaltung im Ernst Happel Stadion in Wien Leopoldstadt durch die Polizei sowohl der Individual- wie auch der öffentliche Verkehr (Busse 84A, 77A ) über den Straßenzug Meiereistrasse-Stadionallee unterbunden. Damit werden die BewohnerInnen des Stadion-Messegebietes zu großen Umwegen gezwungen, wenn sie z.B. in den 3 oder 11 Bezirk gelangen wollen.

Dazu kommt, dass besonders bei Fußball-Veranstaltungen viele Besucher bereits beim Hinweg zum Stadion schwer betrunken sind und gröhlend herumtorkeln, was für Unbeteiligte ja nicht besonders angenehm ist.

Als Grund für die Sperre der Meiereistrasse-Stadionallee wurde mir gegenüber angegeben, dass sich die Polizei um Deeskalation bemüht. Allerdings würde eine Deeskalation voraussetzen, dass sich zwei Kontrahenten gegenüber stehen. Da die Sperre ganz offensichtlich nur den Sinn hat, um den Randalierern die Strasse zu überlassen zu können und daher die Polizei nicht einschreiten muss. Diese Haltung hat meiner Ansicht nach nichts mit Deeskalation zu tun, sondern einfach mit feigem, vorsorglichem Nachgeben, was im Widerspruch zu den verfassungsmäßigen Aufgaben der Polizei steht und auf Kosten der Bewohner des Stadion-Messegebietes geht, deren Bewegungsfreiheit durch die angesprochene Sperre erheblich eingeschränkt wird.

Ich bin überzeugt, würde die Polizei ein oder zweimal im Sinne von Recht und Ordnung mit fester Hand gegen die Randalierer vorgehen, so würden sich diese sehr bald daran erinnern, wie man sich im öffentlichen Raum zu benehmen hat.

Dazu kommt noch, dass insbesondere bei Fußball-Veranstaltungen im erweiterten Nahebereich des Stadions in Kreuzungsbereichen der 5m Raum nicht eingehalten und oft auch Teile des Kreuzungsplateaus verparkt werden, .obwohl im Nahebereich des Stadions sehr viele Parkplätze in Parkgaragen zur Verfügung stehen. Dieses Verparken der Kreuzungen führt zu einer entsprechenden Erhöhung des Risikos beim Überqueren einer Kreuzung oder Einfahren in eine solche, und behindert im Bedarfsfall auch sehr erheblich Einsatzfahrzeuge. Dazu kommt, dass solche vorschriftswidrig abgestellte Fahrzeuge kaum mit Organmandaten oder mit Mitteilungen über Anzeigen versehen werden.

Vor einiger Zeit wurden seitens der Polizei vorsorglich die 5m Räume bei Kreuzungen provisorisch mit hölzernen Scherenständern abgesichert. Leider ist man davon wieder abgekommen.

Ich darf Sie daher bitten auf die Wiener Polizei einzuwirken, dass diese Recht und Ordnung aufrecht erhält und Randalierer entsprechend, auch mit harter Hand, in die Schranken weist.

Mit freundlichen Grüßen

Ing. Friedrich Hochmann

Sprecher der B.I. Handelskai

Sehr geehrte Frau Minister Dr. Fekter!!

Ich danke für die Stellungnahme von Herrn Oberst. Gausterer vom 2. April 2010.

Leider enthält das Schreiben nur uns bestens bekannte und für uns nur sehr schwer erträgliche Tatsachen. So werden die Bewohner des Stadion-Messegebietes bei jeder mittleren Stadionveranstaltung in ihrer Bewegungsfreiheit, die ja an sich auch ein schützenswertes Gut ist und von der Polizei gesichert werden sollte, massiv eingeschränkt. Die Stellungnahme erweckt daher keinesfalls den Eindruck, dass meine Bedenken auch nur im Entferntesten erst genommen wurden.

Es ist auch nicht verständlich vor welchen Gefahren die mit der U/2 ankommenden Besucher geschützt werden müssen. Die Anrainer des Stadion-Messegebietes werden die Besucher sicher nicht beißen. Auch ist eine Gefährdung dieser ankommenden Besucher nicht zu ersehen. So können diese den Abgang Stadion, bzw. Stadioncenter der U/2 Endstelle benutzen, sodass sich auch keine Gefährdung durch eine Überquerung der Meiereistrasse, bzw. durch den in dieser fließenden Verkehr ergeben kann.

Es wird leider auch nicht darauf eingegangen, weshalb den von der U/3 kommenden Besuchern, die Stadionallee überlassen werden muss und auch der Öffi-Verkehr eingestellt wird und das für eine Zeitspanne von ca. 7 bis 8 Stunden. Nur weil sich sehr viele Stadionbesucher, insbesondere Matchbesucher, nicht zu benehmen wissen, wird die Bewegungsfreiheit der Bewohner des Stadion-Messegebietes massiv eingeschränkt. Darin wird von den Bewohnern des betroffenen Gebietes ein Versagen der Polizei gesehen, da eben die Rechte der Bewohner durch die Polizei nicht geschützt werden und sie gegenüber den Stadionbesuchern schwer benachteiligt werden.

Wenn nun schon bereits bei lächerlichen 10000 Besuchern, derart massive Beschränkungen für die Bewohner verhängt werden, so führt dies zu Ängsten, dass, sollte es trotz dieser Maßnahmen einmal zu größeren Tumulten kommen, dann als Schutzmaßnahme eine Ausgangssperre für die Bewohner des Stadion- Messegebietes verhängt wird.

Es wäre wirklich wünschenswert, auch wenn dies einen vermehrten Aufwand für die Polizei bedeutete, würde gegen die nicht gerade kleine Zahl an disziplinlosen und meist besoffenen Besuchern mit Konsequenz und wenn nötig auch Härte vorgegangen werden, um eben Zustände zu schaffen, die eine volle Bewegungsfreiheit der Bewohner des Stadion - Messegebietes, zumindest aber einen uneingeschränkten Öffi-Verkehr ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen 

Friedrich Hochmann
B.I. Handelskai

P.S. Ich bin nicht der mit den Erzählungen

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Aufgrund des obenstehenden Antwortschreibens an Herrn Oberst Gausterer kam es zu einer Besprechung mit dem Herrn Stadthauptmann für den 2 und 20 Bez. Herrn Hofrat Kopf, Herrn Oberst Zeiler, der für die Stadionveranstaltungen auf Seiten der Polizei für den Ablauf und Einsatz zuständig ist und mir bezüglich der Maßnahmen  bei Stadionveranstaltungen.

Dabei wurde hervorgehoben, dass heuer voraussichtlich nur bei einer Veranstaltung Ende August mit einer Sperre der Stadionallee zu rechnen sein wird und nach dem derzeitigen Stand der Dinge der Fußballbund Länderspiele vermehrt in den Bundesländern durchführen wird, sodass sich die Zahl der "Sperrtage" der Stadionallee entsprechend gering bleiben wird.

Begründet wurde die Sperre damit, dass ein Durchfahren von größeren Menschengruppen mit Fahrzeugen verhindert werden soll. Dabei wurde auch darauf verwiesen, dass die Wr. Linien an einem Bedienen der Strecke über die Stadionallee bei Stadionveranstaltungen nicht besonders interessiert sind, da immer die Gefahr besteht, dass z.B. Fans im Bus Fans außerhalb des Busses provozieren könnten oder umgekehrt und es dann aufgrund von Frustreaktionen zu Beschädigungen des Busses kommen kann. Ein Argument, das sicher nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden kann.

Seitens der Polizei wurde mir zugesagt, mich bei bevorstehenden Sperren der Stadionallee ca. 14 Tage vorher zu informieren. Diese Infos werden dann so rasch als möglich auf die Homepage gestellt.

Im Zusammenhang mit einem spontanen Vorschlag wurde von mir die Frage aufgeworfen, ob seitens der Polizei gegen eine Linienführung über Meiereistrasse – Vorgartenstrasse – Trabrennstrasse – Kaiserallee – Wittelsbachstrasse – Rotundenbrücke – Erdbergerlände – Kösslerplatz – Würtzlergasse- U3-Station Erdberg Sicherheitsbedenken bestünden.

 Dabei wurde mir mitgeteilt, dass abgesehen von allfälligen extremen Ausnahmefällen gegen eine solche Linienführung seitens der Polizei keine Bedenken bestünden.

Dieser Vorschlag wurde den Wr. Linien unterbreitet werden.

In kurzer Zeit kam es zu einer Besprechung mit einem Vertreter der Wr. Linien. Dabei wurde mir mitgeteilt, dass in Bezug auf die Linie 84A Probleme hinsichtlich des Einbiegens von der Erdbergerlände in den Kösslerplatz aufgrund des großen Kurvenradius der Gelenkbusse bestünden.

Ein Argument, dass ohne Kenntnis der genauen technischen Daten nicht zu widerlegen ist und durchaus plausibel erscheint.

Als Argument gegen die Führung der Linie 77A in der vorgeschlagenen Weise wurde angegeben, dass diese ca. 1,7km längere Strecke den Fahrplan durcheinander brächte. Dieses Argument erscheint angesichts der Tatsache, dass bei Veranstaltungen im Stadion und des damit verbundenen erhöhten Fahrgastaufkommens und der Notewendigkeit kürzere Intervalle vorzusehen, etwas eigenartig wirkt.

Auf diesen Umstand werden die Wr. Linien noch hingewiesen werden.

 Friedrich Hochmann